
"Es sind stürmische Zeiten für alle Menschen, denen Kirche und die Frohe Botschaft am Herzen liegen. Die vergangenen Tage waren in mehrfacher Hinsicht aufwühlend, auch für mich als Generalvikar des Erzbistums. Im Blick auf das Münchner Missbrauchsgutachten ist mir wichtig: Missbrauch ist unerträglich und darüber hinaus Verrat am Evangelium. Als Institution Kirche haben wir Schuld auf uns geladen, indem wir weggesehen haben, nur versetzt haben. Wir sind heute in der Pflicht, radikal aufzuklären, Verantwortung klar zu benennen und Konsequenzen zu ziehen. Das sind wir den Betroffenen ebenso schuldig wie der Frohen Botschaft, die durch die Missbrauchstaten und den beschämenden früheren Umgang mit diesen verdunkelt wurde.
Im Erzbistum Freiburg unterstützen wir die Aufarbeitung durch die unabhängige Kommission, wo immer wir können. Dafür stehe ich auch als Generalvikar persönlich. Neben der detaillierten Aufarbeitung, die durch die AG Aktenanalyse bereits seit dem Jahr 2018 läuft, haben wir im Erzbistum auch das Präventionsprogramm gegen Missbrauch deutlich gestärkt. Wir setzen es entschieden durch.
Viele Menschen im Erzbistum hat ein weiteres Thema bewegt und berührt, allerdings auf eine ganz andere Art. Mehr als hundert queere (homosexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie nicht-binäre) Menschen aus dem Herzen der Kirche haben mit der Initiative „out in church“ öffentlich über ihre oft schmerzhaften Erfahrungen berichtet. Ich sehe die Geschichten und Erfahrungen dieser Mitarbeitenden und Engagierten, auch jener, die nicht an die Öffentlichkeit gegangen sind. „Out in church“ ist für mich ein wichtiger Beitrag zu aktuellen Debatten. Für das Erzbistum kann ich sagen: Die Mitarbeitenden, die an der Initiative teilgenommen haben, müssen deshalb keine Konsequenzen fürchten. Homosexuelle Menschen sind in der Kirche willkommen, als Mitarbeitende und als Engagierte. Eine Kirche, wie ich sie mir wünsche, begrüßt mit Freude alle, die sich zur Botschaft Jesu bekennen."


