
Gegen den Vertrauensverlust: Glaubwürdigkeit der Kirche ist gefragt
Das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising sei „eine neue Erschütterung“ in der katholischen Welt. „Ein weiteres Mal wird die Dimension dessen sichtbar, was Missbrauch in der katholischen Kirche angerichtet hat und was er für die Gläubigen auslöst und an Vertrauensverlust mit sich bringt“. Um dieses Vertrauen wieder zu gewinnen, brauche es ein glaubwürdiges Auftreten der Vertreterinnen und Vertreter der Kirche: „an der Basis, in den Gemeinden, in der bischöflichen Verwaltung und auch, was meine eigene Person angeht“. Kirche habe den Auftrag, die Frohbotschaft zu verkünden. „Je glaubwürdiger sie das tut, desto mehr wird die Botschaft bei den Menschen ankommen.“ Und weiter: „Meine Hoffnung ist: Diese Botschaft ist stärker als alles, was an Versagen und Fehlern und Sünde in der Kirche geschieht.“
Im Kirchenentwicklungsprozess der Erzdiözese sieht der Erzbischof einen wichtigen Beitrag zum „umfassenden kirchlichen Kulturwandel“, den der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz gefordert hat. Ganz wichtig sei dabei der Dialog mit den Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum: „Ich brauche das Gespräch mit den Gläubigen, mit den Verantwortlichen in den Gemeinden und anderen Hauptberuflichen, um herauszufinden, was wir in die Zukunft tragen können, wie wir gemeinsam Kirche aufstellen und aufbauen können. Was heißt das für unser Gemeindeleben, was für unsere Strukturen? Es geht nicht um mich als Bischof, es geht darum, dass die Botschaft Jesu gelebt werden und in die Zukunft getragen werden kann.“
„Wir werden das Arbeitsrecht weiter überarbeiten“
Gegenstand des Interviews war auch die Initiative „out in church“, die in der vergangenen Woche für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Auf die Frage, ob man nicht das kirchliche Arbeitsrecht ändern müsste, so dass Mitarbeitenden, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft führten, nicht gekündigt werden müsse, signalisierte Erzbischof Stephan Burger: „Diese Frage beschäftigt uns schon lange. Einiges wurde inzwischen auf den Weg gebracht. Aber das reicht nicht. Wir werden das Arbeitsrecht weiter überarbeiten und evaluieren, schon weil wir sonst gar nicht mehr genügend Mitarbeitende für unser soziales Engagement und für unsere Einrichtungen finden.
Und das hätte zur Konsequenz, unserem Dienst und unserer Verantwortung nicht mehr nachkommen zu können. Mein Wunsch ist, dass die Kirche ein verlässlicher Partner für unsere Gesellschaft bleiben kann."
Und das hätte zur Konsequenz, unserem Dienst und unserer Verantwortung nicht mehr nachkommen zu können. Mein Wunsch ist, dass die Kirche ein verlässlicher Partner für unsere Gesellschaft bleiben kann."


