Kirche soll verlässlicher Partner für unsere Gesellschaft bleiben

29.01.2022 | Erzbischof Burger im BZ-Interview zur aktuellen Lage der katholischen Kirche

Freiburg. Mit einer klaren Botschaft hat sich Erzbischof Stephan Burger in einem ausführlichen Interview mit der Badischen Zeitung, das in der Ausgabe vom Samstag (29.1.) erscheint, zur aktuellen Lage der katholischen Kirche geäußert. Die Kirche solle „ein Ort des Schutzes, der Geborgenheit und des Vertrauens“ sein. Im Kampf gegen den Missbrauch gehe es darum, diesen Raum für die Menschen zu schaffen, um so auch der Botschaft Jesu gerecht zu werden. Mit Blick auf die Initiative „out in church“ bekräftige der Erzbischof, dass „jeder Mensch, gleich welcher sexuellen Orientierung“ Platz in der Kirche habe.

Gegen den Vertrauensverlust: Glaubwürdigkeit der Kirche ist gefragt

Das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising sei „eine neue Erschütterung“ in der katholischen Welt. „Ein weiteres Mal wird die Dimension dessen sichtbar, was Missbrauch in der katholischen Kirche angerichtet hat und was er für die Gläubigen auslöst und an Vertrauensverlust mit sich bringt“. Um dieses Vertrauen wieder zu gewinnen, brauche es ein glaubwürdiges Auftreten der Vertreterinnen und Vertreter der Kirche: „an der Basis, in den Gemeinden, in der bischöflichen Verwaltung und auch, was meine eigene Person angeht“. Kirche habe den Auftrag, die Frohbotschaft zu verkünden. „Je glaubwürdiger sie das tut, desto mehr wird die Botschaft bei den Menschen ankommen.“ Und weiter: „Meine Hoffnung ist: Diese Botschaft ist stärker als alles, was an Versagen und Fehlern und Sünde in der Kirche geschieht.“
 
Im Kirchenentwicklungsprozess der Erzdiözese sieht der Erzbischof einen wichtigen Beitrag zum „umfassenden kirchlichen Kulturwandel“, den der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz gefordert hat. Ganz wichtig sei dabei der Dialog mit den Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum: „Ich brauche das Gespräch mit den Gläubigen, mit den Verantwortlichen in den Gemeinden und anderen Hauptberuflichen, um herauszufinden, was wir in die Zukunft tragen können, wie wir gemeinsam Kirche aufstellen und aufbauen können. Was heißt das für unser Gemeindeleben, was für unsere Strukturen? Es geht nicht um mich als Bischof, es geht darum, dass die Botschaft Jesu gelebt werden und in die Zukunft getragen werden kann.“

„Wir werden das Arbeitsrecht weiter überarbeiten“

Gegenstand des Interviews war auch die Initiative „out in church“, die in der vergangenen Woche für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Auf die Frage, ob man nicht das kirchliche Arbeitsrecht ändern müsste, so dass Mitarbeitenden, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft führten, nicht gekündigt werden müsse, signalisierte Erzbischof Stephan Burger: „Diese Frage beschäftigt uns schon lange. Einiges wurde  inzwischen auf den Weg gebracht. Aber das reicht nicht. Wir werden das Arbeitsrecht weiter überarbeiten und evaluieren, schon weil wir sonst gar nicht mehr genügend Mitarbeitende   für unser soziales Engagement und für unsere Einrichtungen finden.  
Und das hätte zur Konsequenz, unserem Dienst und unserer Verantwortung  nicht mehr nachkommen zu können. Mein Wunsch ist, dass die Kirche ein verlässlicher Partner für unsere Gesellschaft bleiben kann."