Ein Jahr als Freiwillige aus Südamerika in der Erzdiözese

11.08.2022 | „Voluntarios“ aus Peru und Nicaragua berichten von ihren Erlebnissen

Freiburg. So schnell kann die Zeit vergehen, wenn man sie für einen guten Zweck einsetzt: Nach rund 15 Monaten kehren die jungen Frauen und Männer aus Südamerika, die für einen Freiwilligendienst in die Erzdiözese Freiburg gekommen waren, nun Mitte August wieder in ihre Heimat zurück. Die insgesamt elf sogenannten „voluntarios“ aus Peru und Nicaragua lebten und arbeiteten im Rahmen des Austauschprogramms „VAMOS!“ im Südwesten Deutschlands. Was nehmen die jungen Menschen aus dieser Zeit mit?
 
José Martin Rengifo
Der 31-jährige José Martin Rengifo ist Künstler und stammt aus der Stadt Lima in Peru. „Ich konnte hier viel Kultur kennenlernen“, sagt er. „Ich konnte eine andere Perspektive auf die Welt erhalten.“ Rengifo arbeitete im Freiburger Eine-Welt-Forum. Dort kümmerte er sich um die sozialen Online-Medien, half in verschiedenen Workshops mit und bereitete sogar selbst einen vor. 

„Ich will andere Menschen inspirieren“

Der 31-Jährige kehrt nun motiviert nach Peru zurück: „Wir können unsere Welt retten. Von hier, von Deutschland aus, habe ich eine andere Perspektive gewonnen. Ich kann die Welt nun besser verstehen, es gibt keine Erste Welt, Zweite Welt oder Dritte Welt. Und natürlich will ich andere Menschen inspirieren.“
 
Dinora Flores
Ihre Vermittlerrolle zwischen den Kulturen betont Dinora Flores. Sie wolle den Menschen in der Erzdiözese auch etwas über ihre Heimat beibringen, sagt die aus dem nicaraguanischen Estelí stammende 29-Jährige. Sie arbeitete während ihres Freiwilligendienstes in einem Kindergarten in Konstanz. „Ich wurde sehr gut von den Kindern akzeptiert. Die Kinder zeigten mir Dinge und ich ihnen. Es gab einen guten Austausch“, sagt Flores.

Kritischer Blick auf die Welt gefördert

Hat sich ihr Blick auf die Welt verändert? Ihr sei es wichtig, dass die Menschen voneinander lernen und so auch rassistisches Denken überwinden. Hier sowie im sozialen Bereich gebe es weltweit noch viele Probleme. „Daran müssen wir arbeiten“, sagt die 29-Jährige. Während ihrer Zeit in Konstanz konnte sie sich nach eigenen Worten auch mit diesen Themen kritisch auseinandersetzen.
 
Damit hat das „VAMOS!“-Programm bereits eines seiner wichtigen Ziele erreicht. „Die Freiwilligen aus Südamerika können in der Begegnung mit anderen Menschen sich selbst reflektieren, aber auch erreichen, dass die anderen Menschen im Rahmen der Begegnung über sich selbst nachdenken. Sie Freiwilligen können dazu beitragen, Vorurteile gegen Migrantinnen und Migranten aufzubrechen“, sagt Dania Farfán, die das Austauschprogramm für die Erzdiözese Freiburg koordiniert.
 
Wenn die „voluntarios“ Mitte August abreisen, stehen deren Nachfolger laut Farfán bereits in den Startlöchern. Zehn junge Frauen und Männer aus Peru und Nicaragua wollen als Freiwillige Ende August für neue Abenteuer und Erlebnisse in die Erzdiözese Freiburg kommen.

Hintergrund:

Das Programm „VAMOS!“ ermöglicht einen einjährigen Freiwilligendienst im Gebiet der Erzdiözese Freiburg für junge Menschen aus Peru und Nicaragua, die sich in sozialen, pädagogischen, kulturellen, politischen und/oder ökologischen Organisationen engagieren möchten. Das Programm ist als Lerndienst für alle Beteiligten konzipiert. Im Vordergrund stehen der gegenseitige Austausch und Begegnungen basierend auf Respekt und Anerkennung sowie eine kritische Reflexion der eigenen Gewiss- und Gewohnheiten und der Kolonialgeschichte. „VAMOS!“ wird über die Süd-Nord-Komponente im „weltwärts“-Programm des Entwicklungsministeriums gefördert.
 
(muk)