
Viele Gläubige seien nicht nur durch Kriege und gesellschaftlichen Spannungen, sondern auch angesichts der Situation der Katholischen Kirche in Deutschland verunsichert, schreibt Erzbischof Burger weiter. Mit Blick auf die Ergebnisse der im November 2023 vorgestellten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung sehe sich die Katholische Kirche mit der „harten Realität eines selbstverschuldeten Bedeutungsverlustes“ konfrontiert. Allerdings erteilt der Erzbischof einer pessimistischen Interpretation dieser Entwicklung eine Absage: „Ist unsere Gesellschaft deswegen schlechter geworden? Meines Erachtens ist sie so gut oder so schlecht wie zu allen Zeiten, nur, dass sich die Wertmaßstäbe für ein erfülltes Leben verschoben haben. Diese Wertmaßstäbe werden nicht mehr ausschließlich in der Kirche oder innerhalb des Evangeliums gesucht und gefunden.“
„Im Glauben an das Evangelium neu festmachen“
Dieser Zustand sei folgerichtig kein Grund zur Resignation. Ähnlich wie Jesus, der 40 Tage in der Wüste verbrachte und dort den Versuchungen des Teufels widerstand, müsse die Katholische Kirche standhaft bleiben: „Das Evangelium ermutigt uns deshalb, in den extremen, wüstenähnlichen Situationen menschlichen und kirchlichen Lebens ebenso der Versuchung zu widerstehen. Es ruft uns auf, umzukehren, uns im Glauben an das Evangelium neu festzumachen,“ schreibt der Erzbischof. Um diese Gemeinschaft mit Jesus Christus als Kirche leben zu können, seien in den kommenden Jahrzehnten sowohl die Sakramente als auch die tätige Zuwendung zum Nächsten entscheidend. Laut Erzbischof Burger ist deshalb ein Gelingen des 2019 begonnenen Zukunftsprozesses Kirchenentwicklung 2030 von großer Bedeutung: „All dem dient unsere Kirchenentwicklung, die Orte des gemeinsamen Christseins auch in Zukunft ermöglichen will; Kirche als verlässlicher Raum der Gottesbegegnung auf vielfältige Weise.“
Letztendlich lasse sich diese Erneuerung aber nicht verordnen. Sie müsse im Bewusstsein für den von Gott unwiderruflich geschlossenen Bund immer wieder beim einzelnen Gläubigen selbst beginnen: „Mögen auch im Laufe der Geschichte immer wieder strukturelle Veränderungen nötig werden, das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche Jesu Christi bleibt unverbrüchlich verheißen. In diesem Glauben und Vertrauen gehen wir gemeinsam als Kirche den Weg mit Christus der österlichen Vollendung entgegen.“
Der Fastenhirtenbrief wird traditionell am ersten Fastensonntag in allen Gottesdiensten in der Erzdiözese Freiburg verlesen. Er ist nach Ablauf der Sperrfrist unter www.ebfr.de/fastenhirtenbrief_2024 abrufbar.
(lb)


