Freiburg. Die Erzdiözese Freiburg will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und unterstützt sie auf dem Weg dorthin. Dazu tauschte sich Generalvikar Christoph Neubrand am Montag (13.3.) mit Frauen aus dem Erzbistum aus. Sie alle sind oder waren Teilnehmerinnen des bundesweiten Programms „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das von der Deutschen Bischofskonferenz gezielt gefördert wird. Dabei werden die Teilnehmerinnen jeweils von einer Mentorin begleitet, die bereits eine Leitungsposition innehat. Vier Tandems haben das Programm in den vergangenen Jahren abgeschlossen, drei nehmen aktuell seit Herbst 2022 am Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins teil.
Für Brigitte Muth-Detscher, Stellvertreterin der Direktorin des Instituts für Religionspädagogik (IRP), bedeutet die Teilnahme ein stückweit Empowerment, denn für sie ist durch die Weiterbildung klar: „Ich will meinen Platz in der Kirche neubestimmen.“ Frauen dabei zu unterstützen verstärkt Führungspositionen wahrzunehmen, ist ihrer Meinung nach auch deshalb ein Gewinn, weil weiblich konnotierte Eigenschaften – etwa Teamfähigkeit oder Kommunikationsstärke – die Führungsebene bereichern.
Dass Vernetzung ein wichtiger Bestandteil des Programmes ist, war eine zentrale Beobachtung im gemeinsamen Gespräch. Die Frauen lernen sich nicht nur auf Diözesanebene kennen, sondern vernetzen sich zudem deutschlandweit über den Hildegardis-Verein. Hannah Gniot, Dekanatsreferentin aus Heidelberg, berichtete, dass diese Vernetzung bei ihr dazu beigetragen habe, Frauen in Führungspositionen in der Arbeitswelt verstärkt wahrzunehmen. Zudem gebe ihr das Mentoring-Programm die Möglichkeit, sich ganz dezidiert die Frage zu stellen, inwiefern sie in Zukunft eine Leitungsaufgabe in der Seelsorge übernehmen könnte – auch mit Blick auf den Zukunftsprozess des Erzbistums.
Martina Stephan, Vorstandsreferentin im Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, freute sich darüber, dass sich das Mentoring-Programm für Frauen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen eignet. Für sie ist die wichtige Botschaft für berufstätige Frauen mit Familienplanung: Karriere darf keine Frage des Alters sein. Edith Lamersdorf, Referatsleiterin bei den Stiftungen der Erzdiözese Freiburg und Mentorin, brachte es mit Rückblick auf ihre Karriere auf den Punkt: „Ich hätte zu Beginn meiner Tätigkeit als Führungskraft von einem solchen Programm sehr profitiert.“
Geschärfter Blick für strukturelle Ungleichheiten: „Es braucht einen kulturellen Wandel“
Dennoch, so stellten die Teilnehmerinnen fest, braucht es für eine geschlechtergerechte Arbeitswelt mehr als die Förderung einzelner Frauen in Führungspositionen. Deutlich im gemeinsamen Gespräch wurde, dass das Mentoring-Programm den Blick der Anwesenden auf strukturelle Ungleichheiten für Frauen in der Arbeitswelt geschärft hat. Ausdrücklich wünschten sie sich, dass möglichst alle Akteurinnen und Akteure – von Mitarbeitende in der Verwaltung, in der Seelsorge und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen – sensibilisiert werden für ein gleichberechtigtes Miteinander, beispielweise durch verpflichtende Fortbildungen. Katharina Pasternack, Kindergartengeschäftsführerin in der Gesamtkirchgengemeinde Mannheim, betonte: „Es braucht einen kulturellen Wandel.“
Trotz der strukturellen Herausforderungen, die seitens der Teilnehmerinnen herausgearbeitet wurden, begrüßten auch die anwesenden Mentorinnen die bereichernde Erfahrung des Mentoring-Programms: Sie alle sind seit Jahren in einer leitenden Position in der Erzdiözese. Im gemeinsamen Gespräch wurde deutlich, dass die Mentorinnen zum einen ihre eigenen Erfahrungen weitergeben konnten, etwa im Austausch zu unterschiedlichen Führungsstile oder potenziellen Fallstricken in der Leitungsaufgabe. Zum anderen bewerten sie als Leitungskraft ihre eigene Position neu: Susanne Orth etwa, Leiterin der Hauptabteilung Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, sagte, dass das Mentoring-Programm einen Lernprozess bei ihr ausgelöst habe, bei dem sie ihr eigenes Führungshandeln reflektiere.
Für Generalvikar Christoph Neubrand ist klar, dass die Erzdiözese auch in Zukunft Frauen die Teilnahme am Mentoring-Programm ermöglichen wird. „Die Stärke des Angebots ist sicherlich auch, dass sich Frauen die Frage stellen dürfen: ,Ist Führungsverantwortung etwas für mich und will ich mich bei meinem Arbeitgeber hierfür ins Spiel bringen?‘“ Wichtig sei außerdem, dass Führungskompetenz keine Frage des Geschlechts sein darf, sondern der Qualifikation. Deshalb gelte: „Für ein wirklich gleichberechtigtes Miteinander müssen Frauen nicht qualifizierter sein als Männer.“ Der Wunsch der Anwesenden, dass der Arbeitgeber Bewerberinnen und Alumni des Programms für weitere mögliche Karriereschritte und Vernetzung im Blick behält, begrüßte Christoph Neubrand.
Geschlechtergerechtigkeit in Beruf und Gesellschaft ist zentrales Anliegen
Die Erzdiözese Freiburg investiert bewusst und gezielt in die Förderung weiblicher Nachwuchskräfte und Leitungspersonen. Seit 2008 gibt es eine Gleichstellungsbeauftragte im Erzbistum. In den diözesanen Leitlinien (2017) wird die Gleichrangigkeit der Geschlechter als eine zentrale Herausforderung für die Kirche beschrieben und ein geschlechterspezifisches Handeln auf allen Ebenen eingefordert. Auch deshalb hat Erzbischof Stephan Burger im Jahr 2018 die Kommission Geschlechtergerechtigkeit als bischöfliches Beratungsgremium implementiert. Dies unterstreicht den konkreten Willen, im Erzbistum aktiv Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen.
Auch über Leitungspersonen hinaus engagiert sich die Erzdiözese für Geschlechtergerechtigkeit in Beruf und Gesellschaft. Das Referat Frauen-Männer-Gender im Erzbischöflichen Seelsorgeamt hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Schulungs- und Bildungsarbeit Menschen für das Thema Gleichberechtigung zu sensibilisieren. So laufen im Monat März die Aktionswochen zur Geschlechtergerechtigkeit mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen, auch mit internationalem Bezug. Weitere Informationen finden Sie hier. Die Kooperationen und Vernetzungen mit anderen Organisationen, etwa Frauengruppen und Frauenverbände in der Erzdiözese, aber auch Einrichtungen aus dem ökumenischen und weltlichen Kontext, sind hier grundlegend für die Arbeit. Das Ziel ist, diese Themen möglichst breitflächig zu platzieren und viele dafür zu sensibilisieren.
(cvl)






