Ehemaliger Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ausgezeichnet

15.05.2023 | Eugen-Biser-Preis für Einsatz für eine gerechtere Gestaltung der Globalisierung

Verleihung des Eugen-Biser-Preises an Dr. Gerd Müller am 8. Mai 2023. Gruppenfoto mit den Festrednern sowie mit Gremienmitgliedern der Eugen-Biser-Stiftung. Monsignore Dr. Axel Mehlmann, Stefan Zinsmeister, Gina Ama Blay, Joachim Herrmann, Dr. Theo Waigel, Dr. Gerd Müller, Erzbischof Ludwig Schick, Dr. Heiner Köster, Stephan Kersten, Prof. Dr. Martin Thurner, Michaela Leitner, Marianne Köster (von links nach rechts).
München / Freiburg (KNA/pef). Gerd Müller (67), früherer CSU-Spitzenpolitiker und Generaldirektor der UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO), hat den Eugen-Biser-Preis erhalten. Als Bundesentwicklungsminister habe sich Müller von 2013 bis 2021 leidenschaftlich für eine gerechtere Gestaltung der Globalisierung eingesetzt, lautet die Begründung. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Montagabend (08.05.) in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche überreicht.
Martin Thurner von der Eugen-Biser-Stiftung sagte, das Christentum sei „wesentlich nichts anderes als Entwicklungshilfe“. Es gehe darum, Bedingungen zu schaffen, die es dem Menschen überhaupt erst ermöglichten, selbstständig seine Potenziale zum Guten verwirklichen zu können. In seinem politischen Wirken habe Müller gezeigt, dass diese „Instandsetzung des Menschen“ bei konkreten Bedürfnissen ansetzen müsse: trinkbarem Wasser, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen.
Der frühere Bundesfinanzminister und CSU-Chef Theo Waigel würdigte die Arbeit Müllers als Entwicklungsminister. Dieser habe „in den vom Schicksal benachteiligten Menschen in anderen Kontinenten seine Schwestern und Brüder gesehen, die nicht nur Mitleid, sondern Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe verdienen“. Mit seinem „Marshallplan für Afrika“ habe Müller einen Paradigmenwechsel der deutschen Politik im Umgang mit diesem Kontinent mitgestaltet.
Der emeritierte Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erinnerte daran, dass Müller die Bedeutung der Religion für wirtschaftliche Zusammenarbeit erkannt habe. Wie kein anderer Minister zuvor habe er die staatlichen Mittel für die Entwicklungsarbeit kirchlicher Hilfswerke beträchtlich erhöht.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, Müller werde zu Recht als „das gute Gewissen der CSU“ bezeichnet. An dem Festakt nahm auch die Botschafterin Ghanas in Berlin, Gina Ama Blay, teil.
Der Preis ist nach dem katholischen Theologen und Religionsphilosophen Eugen Biser (1918-2014) benannt. Eine von ihm eingerichtete Stiftung verleiht den Preis seit 2003. Frühere Preisträger waren unter anderen Herzog Franz von Bayern, Charlotte Knobloch, Norbert Lammert und Kardinal Karl Lehmann.
Eugen Biser – ein Theologe aus dem Erzbistum Freiburg
Der am 6. Januar 1918 in Oberbergen am Kaiserstuhl geborene Eugen Biser musste im Alter von 20 Jahren sein in Freiburg begonnenes Theologiestudium unterbrechen und seinen Militärdienst leisten. Wegen einer unbedachten Bemerkung über Adolf Hitler wurde er von einem Kriegsgericht zu einem sogenannten Himmelfahrtskommando verurteilt und kehrte schwer verwundet aus der Schlacht um Stalingrad nach Hause zurück. Im christlichen Glauben fand er damals ein wirksames Heilmittel für jede Lebensangst und vermittelte diese Überzeugung seither engagiert. Zwischen 1946 und 1965 lebte Biser in Heidelberg und arbeitete am Helmholtz-Gymnasium als Religionslehrer, schrieb seine Promotionen und seine Habilitation. Ihm zu Ehren trägt der große Veranstaltungssaal im Haus der Begegnung seinen Namen. 
Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte Eugen Biser dann zwischen 1974 und 1986 an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München und auf dem Romano-Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie. Zu seinen herausragenden Leistungen gehört bis heute, dass er sich frühzeitig und intensiv für den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen einsetzte. Seit 2002 pflegt die Eugen-Biser-Stiftung in München das geistige Erbe des Gelehrten. Sie richtet ihren Blick aus einem christlichen Werteverständnis auf alle Bereiche menschlicher Existenz und will so das Zusammenleben in der demokratischen Gesellschaft fördern.