Als „Entdeckerin“ auf der Suche nach den Spuren Gottes

04.07.2023 | Weihbischof Würtz beauftragt Stephanie Hoch als Pastoralreferentin

Sigmaringen/Hechingen. Am Samstag (15.07.) beauftragt Weihbischof Dr. Christian Würtz in St. Marien in Donaueschingen vier Frauen und zwei Männer als Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Eine von ihnen ist Stephanie Hoch, die aus Unterschmeien bei Sigmaringen kommt und derzeit in den Seelsorgeeinheiten Burladingen-Jungingen und St. Luzius Hechingen im Dekanat Zollern tätig ist. 
 
Stephanie Hoch ist in der katholischen Kirche stark verwurzelt und entsprechend war sie schon von Kindesbeinen an im Gemeindeleben aktiv. „Ich hatte das große Privileg als ältestes von zwei Kindern in einer wohlbehüteten Familie mit einer sehr liebevollen und an christlichen Werten orientierten Erziehung groß zu werden“, berichtet sie. Ein besonders Vorbild ist für die angehende Pastoralreferentin dabei auch ihre Mutter: „Das kirchliche Leben vor Ort liegt ihr am Herzen und dafür setzt sie sich mit allen Kräften ein. Noch heute blicke ich bewundernd zu meiner Mutter auf.“ In Unterschmeien, so Stephanie Hoch, sei Kirche ein selbstverständlicher Teil des dörflichen Gemeindelebens gewesen. Deshalb fand sie schon dort ihren eigenen Platz: nach der Erstkommunion mit dem Ministrantinnen-Dienst, später dann unter anderem als Leiterin, Oberministrantin und Mitglied des Jugendausschusses der Seelsorgeeinheit Sigmaringen. Als Vertreterin des Jugendausschusses war sie schließlich auch im Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit aktiv und trat dort für die Interessen und Anliegen der Jugend ein. 
 
„Ich hatte immer unheimlich große Freude daran, das kirchliche Leben vor Ort und auf Ebene der Seelsorgeeinheit aktiv mitzugestalten und mit eigenen Ideen und Vorstellungen Projekte zu entwickeln und durchzuführen“, so die 31-Jährige. So beschloss sie, nach ihrem Abitur und einem Auslandsaufenthalt in Irland bzw. Nordirland, 2012 Theologie in Freiburg zu studieren mit dem Ziel Pastoralreferentin zu werden. Während der Studienzeit lebte sie sieben Jahre lang als Teil eines intergenerativen Wohnprojekts in dem Freiburger Seniorenstift „Albert-Ria-Schneider Haus“. „Als junge Mitbewohnerin in diesem Seniorenheim kam ich unwillkürlich in Kontakt mit dem Alter und dem Älterwerden, mit Menschen in Lebenslagen voller Umbrüche und existentieller Fragen. Die Konfrontation mit Krankheit und dem Lebensende gehörte zum Alltag. Dadurch habe ich im Umgang mit dem Tod, den Sterbenden und den trauernden Angehörigen sehr viel Wertvolles und Neues dazugelernt.“ So haben die Begegnungen mit dem Menschen vor Ort ihr Leben und den Blick auf das Leben bereichert und geprägt.
 
Als Pastoralreferentin möchte Stephanie Hoch als „Entdeckerin“ unterwegs sein. „Eine Entdeckerin, die mit den Menschen vor Ort unterwegs ist und sich mit ihnen gemeinsam auf die Suche nach Gottes Spuren in ihrem Leben begibt. Meine Aufgabe ist es nicht, Gott und Christus zu den Menschen zu bringen, denn diese sind schon längst mitten in und unter ihnen. Mein Anspruch ist es, diese Spuren zu erkennen und aufzudecken, das Göttliche in den Menschen und der Welt zum Strahlen und Leuchten zu bringen. Dazu gehört es, den Glauben auch dort zu suchen und zu finden, wo ich ihn zunächst überhaupt nicht vermute“, erklärt sie.  „Kirche mit anderen vor Ort gestalten,“ – das sei der Schwerpunkt, den sie als Pastoralreferentin setzen möchte. 
 
Für die Theologin stehen der Umgang und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche stellvertretend für weitere Herausforderungen der Institution. „Dies fordert mich als Mitarbeiterin immer wieder aufs Neue heraus und lässt mich auch mein eigenes Tun regelmäßig hinterfragen. Diese Diskrepanz der Institution Kirche zwischen eigenem Anspruch und den bekanntgewordenen furchtbaren Verbrechen ist oftmals eine schmerzliche Belastung und bleibt eine Herausforderung“, hält Stephanie Hoch fest. Kirchliche als auch gesellschaftliche Umbrüche erforderten deshalb eine hohe Frustrationstoleranz und ein starkes Durchhaltevermögen. Wichtig sei aber auch, darauf nicht resignierend, sondern kritisch konstruktiv und zukunftsweisend zu reagieren. „Ich möchte mich motiviert und engagiert dafür einsetzen, dass die Kirche der Zukunft wieder mehr dem Anspruch Jesu und seiner Botschaft vom Reich Gottes gerecht wird. Ich sehe eine große Chance darin an der ,Kirche von morgen‘ mitzuarbeiten und sie voller Motivation und mit eigenen Ideen aktiv und kreativ mitzugestalten. Dazu gehören auch strukturelle und institutionelle Weiterentwicklungen“, sagt die Theologin. Leiten lässt sich dabei von einem Spruch in Anlehnung an Augustinus Aurelius: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst…Nur wer selbst für die Sache Jesu brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“

Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten: Theologie und Seelsorge

Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sind hauptamtlich Mitarbeitende, die in allen Bereichen der Seelsorge und im Religionsunterricht eingesetzt werden. Sie haben ein Theologiestudium und eine dreijährige Berufseinführung absolviert und arbeiten zum Beispiel im Seelsorgeteam einer Seelsorgeeinheit oder in Sonderfunktionen. Sie bringen christliche Werte in sozialen, kulturellen, ethischen, wissenschaftlichen und schulischen Kontexten ein. Seit 1976 hat dieser Beruf in der Erzdiözese Freiburg einen unverzichtbaren und bewährten Platz im Miteinander der verschiedenen pastoralen Dienste. Derzeit sind rund 300 Frauen und Männer als Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten (Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in der Ausbildung) in der Erzdiözese tätig.
 
(cvl)