
Nach ihrem Abitur studierte Ulrike Seitz 2013 zunächst Theologie auf Lehramt an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Das Studium bereitete ihr schließlich so große Freude, dass sie in den Magisterstudiengang Theologie wechselte und das Studium 2019 mit dem Magister Theologiae abschloss. Von 2014 bis 2020 war sie zusätzlich als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Arbeitsbereich Neutestamentliche Literatur und Exegese an der Albert-Ludwigs-Universität tätig. Nach dem Studium zog es sie für ein halbes Jahr nach Island, wo sie mit dem ‚Praktikum im Norden‘, einem Programm des Bonifatiuswerks, von März bis September 2020 im Bistum Reykjavík ihren Freiwilligendienst absolvierte. Eine prägende und bereichernde Zeit, wie sie rückblickend berichtet. Nach ihrer Rückkehr begann sie im September 2020 die Berufseinführung zur Pastoralreferentin. Den sich anschließenden Vorbereitungsdienst absolvierte sie in der Seelsorgeeinheit Villingen im Dekanat Schwarzwald-Baar.
Dass sie einmal den Beruf der Pastoralreferentin ergreifen würde, war für Ulrike Seitz zunächst kein Thema, da sie keinerlei Berührungspunkte mit dem Beruf hatte. Aufgewachsen in einem religiös geprägten, ökumenischen Elternhaus, spielten Glaube und Religion in ihrem Leben zwar von klein auf eine große Rolle, doch der Beruf der Pastoralreferentin war ihr damals völlig unbekannt. Erst das Studium und die damit verbundene Freude an der Theologie sowie ihr kirchliches und soziales Engagement ließen sie den Entschluss fassen, Pastoralreferentin werden zu wollen. Sie sagt: „Mich zu engagieren gefiel mir damals sehr und ich nahm den Beruf in dieser Zeit immer mehr wahr. Im Studium lernte ich dann gleichzeitig, theologische Inhalte, meinen Glauben und mich selbst zu reflektieren und mir wurde klar, dass ich die Theologie sehr schätze, aber dabei immer den Bezug zu Glauben, Welt und Gesellschaft im Blick behalten möchte.“
Schwerpunkte möchte die angehende Pastoralreferentin bei ihrem Wirken und Tun besonders in der Ökumene und der Entwicklung spiritueller Angebote setzen. Sie sagt: „Da ich selbst in einer konfessionsverbindenden Familie aufgewachsen bin, ist es mir ein großes Anliegen mich stärker für die Zusammenarbeit in der Ökumene einzusetzen. Zusätzlich möchte ich bei meiner Arbeit spirituelle Akzente setzen, die die Menschen im Alltag bestärken. Da ich in meinem Leben die Spiritualität selbst als sehr prägend erfahren habe, möchte ich das Wissen darüber gerne an andere weitergeben und das Durchführen und Begleiten von geistlichen Angeboten noch stärker verfolgen.“
Auch wenn viele Menschen mittlerweile keinen Zugang mehr zu Gott haben ist die angehende Pastoralreferentin davon überzeugt, „dass uns etwas zu Gott zieht und wir auf ihn hin ausgespannt sind“. Dieses ‚Ausgespannt sein‘ beschäftige und ermutige sie, sagt die Theologin und ergänzt: „Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte sieht darin die letzte Verbindung der Menschen zu Gott und nennt sie ‚Sehnsucht‘. Diese Sehnsucht nach Gott, die ich in vielen Gesprächen mit Menschen zu erkennen glaube, schenkt mir die Zuversicht, dass es ein großes Potential gibt, Menschen über diese Sehnsucht mit der frohen Botschaft des Evangeliums in Kontakt zu bringen und sich gemeinsam auf die Suche nach diesen Spuren der Sehnsucht zu machen.“
Gerade in diesen Zeiten, die von kirchlichen Umbrüchen und Krisen geprägt sind, ist der Seelsorgerin wichtig, als Kirche nicht außerhalb der Gesellschaft zu stehen und um sich selbst zu kreisen, sondern mittendrin zu sein, die Gesellschaft mitzuprägen und sich prägen zu lassen. Sie sagt: „Ich erlebe immer wieder, dass Menschen sich von der Kirche ausgeschlossen fühlen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass wir Christen uns ein Beispiel an Jesus nehmen, der sich allen Menschen zugewandt hat. Ich bin mir sicher, dass unser Glauben auch Weite haben darf und soll. Wir haben eine wunderbare Botschaft, aber wir müssen für sie Worte und Ausdrucksformen finden, die in unserer Zeit verstanden und erfahren werden können.“
Leiten lässt sich die angehende Pastoralreferentin von einem Vers aus dem Buch Jeremia: ‚Ihr werdet mich suchen, und ihr werdet mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, dann lasse ich mich von euch finden.‘ (Jer 29, 13-14). „Dieses Bibelwort verbinde ich mit der Sehnsucht, die uns dazu antreibt, Gott zu suchen und ich finde die Vorstellung unglaublich schön, dass Gott auf jede und jeden von uns wartet und sich von uns finden lassen möchte,“ sagt Ulrike Seitz.
Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten: Theologie und Seelsorge
Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sind hauptamtlich Mitarbeitende, die in allen Bereichen der Seelsorge und im Religionsunterricht eingesetzt werden. Sie haben ein Theologiestudium und eine dreijährige Berufseinführung absolviert und arbeiten zum Beispiel im Seelsorgeteam einer Seelsorgeeinheit oder in Sonderfunktionen. Sie bringen christliche Werte in sozialen, kulturellen, ethischen, wissenschaftlichen und schulischen Kontexten ein. Seit 1976 hat dieser Beruf in der Erzdiözese Freiburg einen unverzichtbaren und bewährten Platz im Miteinander der verschiedenen pastoralen Dienste. Derzeit sind rund 300 Frauen und Männer als Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten (Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in der Ausbildung) in der Erzdiözese tätig.
(mk)


