Tsiroanomandidy/Madagaskar/Freiburg. In einer Nachricht an Erzbischof Stephan Burger hat der Bischof der Diözese Tsiroanomandidy in Madagaskar, Gabriel Randrianantenaina, rückblickend auf die MISEREOR-Reise vom Februar über die aktuelle Situation in Bongolava berichtet. Diese Region deckt sich mit dem kirchlichen Bezirk der Diözese Tsiroanomandidy. Bongolava ist eine von 22 Regionen Madagaskars im Mittleren Westen der Insel. Im Jahr 2014 lebten dort etwa 470.000 Einwohner. Der Hauptort der Region liegt 219 km von der Hauptstadt Antananarivo entfernt. Bischof Gabriel hob hervor, dass die Zerstörung, insbesondere durch die Praxis der Buschfeuer und die rücksichtslose Nutzung von Hölzern als erste Energiequelle die Wüstenbildung und den raschen Verfall mit gefährlichen Folgen die gesamte Menschheit beschleunige.
„Seit den 2000er-Jahren herrschen überall in der Region Abholzung und Entwaldung. Der durch die Entwaldung verursachte Klimawandel ist bereits spürbar, da die Jahreszeiten durcheinandergeraten und den Landwirten Schwierigkeiten bereiten. Die Verzögerung des Eintreffens der Regenfälle wird von Jahr zu Jahr spürbarer. In der Region nehmen klimabedingte Krankheiten bei Menschen (akute Atemwegsinfektionen, Lungenentzündungen, Durchfall, Ruhr und Hauterkrankungen) zu, Wasserquellen versiegen und Waldtiere sterben aus“, schrieb Bischof Gabriel.
Die Diözese Tsiroanomandidy als Ortskirche engagiert sich im Umwelt- und Klimaschutz angesichts der klimatischen Ungerechtigkeit und ihrer negativen Folgen. Die von der Diözese geförderte Umweltarbeit versucht ihren Beitrag zu leisten, indem sie die Bürgerinnen und Bürger für eine Einstellung und ein Verhalten sensibilisiert, die sich positiv auf die Umwelt auswirken. Wenn die Zielgruppen schon in jungen Jahren diese positive Einstellung zum Umweltschutz erwerben, werden sie nach Bischof Gabriel später gute und rationale "Nutzer" ihrer Umwelt sein.
Die Diözese trägt dabei durch Umwelterziehung und die Übernahme von Verantwortung durch alle zum Schutz der Umwelt bei. Die Ergebnisse der Sensibilisierung sind bereits greifbar, da sich jedes Jahr alle Pfarreien, kirchlichen Bewegungen und katholischen Schulen verpflichten, Aufforstungstage zu organisieren. Auf diese Weise werden jedes Jahr tausende Bäume gepflanzt. Dennoch nehmen die Buschfeuer weiter zu. Zur kirchlichen Perspektive gehöre jedoch auch der Schutz der Umwelt und das mache es notwendig, bei den lokalen Behörden und der Zentralregierung dafür zu werben, dass die Akteure der Buschfeuer strafrechtlich verfolgt und bestraft werden.
Die Erzdiözese Freiburg und die Kirche Madagaskars engagieren sich also beide für Klimaschutz. Dieser gemeinsame Einsatz für Schöpfung und Gerechtigkeit gehört nicht erst seit der Enzyklika „Laudato si`“ von Papst Franziskus zu den Kernthemen der Christinnen und Christen in aller Welt. Bei der Klimakrise geht es um die Überlebensfrage der Menschen, ja aller Lebewesen auf der Erde und eine würdige Zukunft. Im biblischen Schöpfungsbericht wird die Erde dem Menschen als Sachwalter unterstellt. Das bedeutet aber auch, die Verantwortung, die aus dieser Aufgabe erwächst, ernst und wahrzunehmen.
Es gilt also, Wege aus der Krise aufzuzeigen und Menschen Mut zu machen, dass ein Wandel und eine nachhaltige Transformation gelingen können. Dazu gehört, Bewegungen zu stärken, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. Ebenso wichtig ist es, selbst auch innerhalb der Kirche mit gutem Beispiel voranzugehen. Im Erzbistum Freiburg liefert das Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2021 den konkreten Rahmen für das Handeln in den Bereichen Gebäude – also Energie und Wärme -, Mobilität, Beschaffung, Bildung und Biodiversität. Jede vor Ort eingesparte Tonnen CO2 kommt dem Weltklima zugute. Suffizienz als Leitwort unseres Handelns wirkt sich positiv auch auf den globalen Süden aus.
Neben diesen eher technischen Themen, der unmittelbaren Reduktion schädlicher Treibhausgase, zeigt sich so ein gemeinsames Wirken von Kirche, ob nun in der Erzdiözese Freiburg oder in der Diözese Tsiroanomandidy: „Wir müssen immer wieder neu die Ungerechtigkeit bei der Ressourcennutzung thematisieren und in Bildung und Umweltarbeit integrieren. Nur von unten nach oben, nicht top down, lässt sich die ökologische Transformation tatsächlich auch sozial gestalten“, sagt Weihbischof Dr. Peter Birkhofer, Bischofsvikar für Schöpfung und Umwelt sowie Weltkirche in der Erzdiözese Freiburg.
Der Austausch mit der Diözese Tsioanomandidy wird fortgesetzt, insbesondere zu Themen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie einer nachhaltigen Entwicklung. Bischof Gabriel bedankte sich für die Unterstützung von MISEREOR und der Erzdiözese Freiburg, die bei der Umsetzung wichtiger Projekte hilft.


