„Beginnen wir bei uns, seine Liebe zu leben“

20.08.2023 | Erzbischof Burger feiert Messe an der „Roten Wand“ im Großen Walsertal

Buchboden/Freiburg. Auf der Alpe Klesenza im österreichischen Voralberg hat Erzbischof Stephan Burger am Sonntag (20.08.) eine Bergmesse mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern gefeiert. In seiner Predigt erinnerte der Erzbischof angesichts des Kriegs in der Ukraine an die Geschichte der Kapelle auf der Alpe Klesenza, weitete aber zugleich den Horizont: "Wie viele Menschen erleiden derzeit in der Ukraine oder in anderen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt ein ähnliches Schicksal?", so der Erzbischof, "wie viele Familien warten derzeit vergeblich auf die Rückkehr ihrer Väter, ihrer Söhne und Töchter? Was muss noch alles an Grausamkeiten geschehen, bis der Mensch endlich zur Einsicht kommt, dass Gewalt noch nie Glück und Segen über ein Land oder in eine Familie gebracht hat?"
 
Weiter betonte der Erzbischof, dass es neben den großen oder kleineren Schauplätzen der Kriegsgeschichte auch Formen der subtilen Gewalt, der Gewaltanwendung in unserer Gesellschaft gibt, "Formen von Ausgrenzungen, Demütigungen, Feindschaften, verbalen Erniedrigungen - und das bei der Arbeitsstelle, im Vereinswesen, in der Familie sowie innerhalb des kirchlichen wie politischen Lebens."
 
Um aus dieser Erfahrung von Gewalt, Unrecht und Unterdrückung auszubrechen, brauche es das Bemühen der Menschen, eine Gestaltung des Lebens aus der Gemeinschaft mit Christus heraus zu wagen: "Beginnen wir bei uns, in unserem Umfeld, in unseren Familien, in unseren kirchlichen Kontexten seinen Frieden, seine Liebe zu leben. Versuchen wir mit unseren Mitteln und Möglichkeiten unsere oft kleine Welt um uns herum zum Guten zu verändern und zu prägen, so tragen wir einen wesentlichen Teil dazu bei, diese Welt doch friedlicher zu gestalten."

Hintergrund

Auf der Alpe Klesenza im Großen Walsertal errichtete der aus Rötenbach-Friedenweiler stammende Pfarrer Josef Kary 1953 eine Marienkapelle zum Gedenken an die Heimkehr aus dem Krieg und an seinen in Russland getöteten Bruder. Josef Kary selbst schwor während des Krieges, dass er bei der Rückkehr zu Ehren der Gottesmutter Maria eine Kapelle bauen würde, die auch an seinen den Märtyrertod gestorbenen Bruder erinnern sollte. Er kam als einer der nur sieben Überlebenden von 220 Soldaten seiner Truppeneinheit zurück und löste sein im Kaukasus gegebenes Versprechen ein. Stephan Burger hat die Leitung der Gedenkfeier von Josef Kary nach dessen Tod übernommen. Zu der Messe kommen jährlich auch viele Pilgerinnen und Pilger aus dem Schwarzwald ins österreichische Buchboden.
 
(mh)