Wiesbaden/Freiburg. Zum elften Mal ist das Mentoring-Programm „Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf“ mit einer Abschlussveranstaltung zu Ende gegangen: In diesem Jahr hatten sich die Teilnehmerinnen vom 11.-13.09. in Wiesbaden getroffen. Seit dem vergangenen Herbst hatten sie sich in Tandems, aber auch gemeinsam regelmäßig ausgetauscht und dabei weitergebildet. Die Teilnehmerinnen bekamen Einblicke in das Feld der Leitungsverantwortung und Feedback zum eigenen Verhalten und Auftreten. Kollegiale Beratung im Mentee-Netzwerk und Erlangung von Schlüsselqualifikationen durch die Teilnahme an zentralen Seminar-Veranstaltungen ergänzten das Programm. Aus dem Erzbistum Freiburg hatten drei Tandempaare an dem einjährigen Mentoring-Programm teilgenommen.
Mentee Hannah Gniot, Dekanatsreferentin aus Heidelberg, und ihre Mentorin Susanne Orth, Leiterin der Hauptabteilung Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, stellten abschließend fest: „Das Programm eröffnet jungen Frauen Perspektiven zum Thema Führung, z.B. mit dem Modell ,Topsharing‘ auch in Teilzeit Führungspositionen zu besetzen. In unseren Gesprächen haben wir die Vor-und Nachteile geprüft und weitere Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Karriere benannt, auch mit Blick auf eine strukturelle Verankerung der Frauenförderung.“ Martina Stephan, Vorstands-Referentin im Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, wurde in dem Jahr von ihrer Mentorin Edith Lamersdorf, Referatsleiterin bei den Stiftungen der Erzdiözese Freiburg, begleitet.
Für die beiden Teilnehmerinnen war es insbesondere eine wichtige Erfahrung, dass sie beidseitig von dem Austausch profitiert haben und dieser offen und von großem Vertrauen geprägt war. Sie sagten: „Für die Mentee ist es hilfreich, einen Blick von außen auf die eigene Tätigkeit zu erhalten und auch praktische Tipps zu bekommen. Die Mentorin hat die Möglichkeit, eine andere Organisation kennenzulernen, und die Entwicklung der Mentee über das Jahr eng zu begleiten.“ Mentee Brigitte Muth-Detscher, Stellvertreterin der Direktorin des Instituts für Religionspädagogik in Freiburg und ihre Mentorin Birgit Schaer, Direktorin des Caritasverbandes für die Erzdiözese Freiburg, sind sich nach ihren Erfahrungen sicher: „Kirche im Mentoring eröffnet neue Perspektiven und ist ein entscheidender Baustein, um Vielfalt in Kirche zu gewinnen.“
Abschlussveranstaltung in Wiesbaden
Fünfzehn Mentees präsentierten am Dienstag (12.09.) bei der Abschlussveranstaltung im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden Naurod ihre Projekte, in denen sie ein Jahr lang im Rahmen des Mentoringprogramms Führung erprobt hatten. So verschieden die Mentees, so verschieden auch die Projekte: Eine Mentee stellte ihren geplanten Podcast mit dem Titel „Tanja trifft …“ vor, in dem die muttersprachlichen Gemeinden des Erzbistums Paderborn vorgestellt werden. Eine andere hatte sich ein Jahr lang damit befasst, wie in ihrer Organisation Wissen erfasst und abgerufen werden kann. Neben den Projektinhalten stellten die Mentees auch vor, was sie in den Projekten über Führung gelernt haben.
Zuvor hatte Miriam Penkhues einen Impulsvortrag gehalten. Die Leiterin der Villa Gründergeist, einem Innovationszentrum und Coworking Space der katholischen Kirche, begann mit Beispielen aus dem Sport: Jolien Boumkwo, Hammerwerferin und Kugelstoßerin, die bei der Leichtathletik EM aufgrund einer fehlenden Läuferin spontan als Hürdenläuferin antrat. Katie Moon und Nina Kennedy, die sich den Sieg im Stabhochsprung teilten. Und Sifan Hassan, die erstmalig einen Marathon lief, zwischenzeitlich aufgeben wollte und dann durch die Unterstützung anderer laufender Frauen sogar Siegerin des Marathons wurde. Penkhues leitete aus diesen Beispielen Überlegungen und Wünsche für die Absolventinnen des Mentoringprogramms ab: sich gegenseitig – auch fachfremd – zu unterstützen, neue Lösungen jenseits der vorgefertigten Pfade auszuprobieren und dass der Weg zum Erfolg oder Sieg entscheidender und auch erfüllender sein kann als der Sieg selbst.
Der Abschlussabend war eingebettet in das Abschlussseminar, das am 11.09., bereits begonnen hatte und bei dem die Mentees beim Bogenschießen über die im Mentoringprogramm erreichten Ziele reflektieren und die neuen Ziele in den Blick nehmen konnten.
Allgemeine Information zu „Kirche im Mentoring“
„Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf“, das Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche, wird vom Hildegards-Verein in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Förderung durch das Bonifatiuswerk für die deutschen Bistümer durchgeführt. Es zielt darauf ab, Frauen auf Führungspositionen innerhalb der katholischen Kirche vorzubereiten. Bislang haben 188 Frauen das Mentoring erfolgreich abgeschlossen; sie stammen aus 20 (Erz-)Bistümern, sechs Hilfswerken und sieben Caritasverbänden. Im Juni 2023 ist bereits ein neuer Jahrgang mit 22 weiteren Tandems gestartet. Das 2015 gestartete Programm will zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beitragen, für den Arbeitsplatz Kirche werben und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen.
Die Erzdiözese Freiburg finanziert zwei Plätze im Programm des Hildegardis-Vereins, um Frauen auf kirchliche Leitungsaufgaben vorzubereiten und den Anteil an qualifizierten und motivierten Bewerberinnen für Leitungsaufgabe in der Kirche zu erhöhen. Zum ersten Mal dabei war in diesem Jahrgang außerdem der Diözesancaritasverband Freiburg, der einen weiteren Platz fördert.
(cvl)






