Freiburg. Die Schöpfung zu bewahren, also die natürlichen Ressourcen nicht stärker zu beanspruchen als sie sich regenerieren, ist ein christlicher Auftrag. Deswegen bemüht sich das Erzbistum Freiburg um eine nachhaltige Verpflegung in seinen Einrichtungen.
Wie kann die Kirche zu einem Impulsgeber in diesem Bereich werden? Wie steigern wir den Anteil biologisch erzeugter und regional produzierter Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung? Und wie können die Kosten gedeckt werden? Das untersuchen das Öko-Institut und die Beratungsagentur a’verdis im Auftrag des Erzbistums anhand von vier Bildungs- und Gästehäusern in der sogenannten Bio-Regio-Studie. Dazu gehören das Bildungshaus St. Bernhard, die Katholische Akademie Freiburg, das Bildungshaus Neckarelz und die Familienferienstätte Feldberg-Falkau. Am 9. Juli wurden die ersten Ergebnisse bei der Tagung „Küche und Kirche“ in der Katholischen Akademie in Freiburg vor einem Fachpublikum aus Kirche, Verbänden, der Stadt und dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vorgestellt.
Die Katholische Akademie in Freiburg ist schon lange ein Vorbild für nachhaltigen Einkauf. Andrea Bold leitet den hauswirtschaftlichen Betrieb: „Wenn ich die Strukturen der lokalen Landwirtschaft stärken will, muss ich ihre Ware abnehmen. Und wenn ich langfristig eine Ernährungswende weg von den großen Konzernen haben will, muss ich die Erzeuger in der Region unterstützen“. Rund 80 Prozent der Produkte, die in der Küche der Akademie verarbeitet werden, kommen aus der Region, rund 50 Prozent sind Bio. „Das Wichtigste ist, dass das Essen gut ist, dass regional, saisonal und Bio nicht als Strafe, sondern als Genuss erlebt wird,“ sagt Bold.
Veränderung ist möglich
Dass eine Umstellung bei Interesse und mit dem nötigen Willen innerhalb von kurzer Zeit umsetzbar ist, zeigt das Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt. Dort wurde im Rahmen der Studie innerhalb weniger Monate der Anteil von biologischen und regionalen Lebensmitteln von 8 auf 40 Prozent erhöht. „Für uns war wichtig, auszuprobieren, wie das von unseren Gästen angenommen wird“, sagt Anette Niedernolte-Bertin, Leiterin von St. Bernhard.
Neben dem Geschmack spielen die Kosten des Essens eine wichtige Rolle für die Akzeptanz bei den Gästen. Denn im Vergleich zu konventionellen sind Bio-Regio-Lebensmittel rund 40 Prozent teurer. Auch der Personalaufwand in den Einrichtungen steigt. Der Einkauf bei vielen kleinen regionalen Zulieferern und die Verarbeitung der in Größe und Form variierenden Bio-Produkte sind deutlich aufwendiger. Insgesamt wurde das Essen in Rastatt durch die Umstellung rund 15 Prozent teurer: „Da muss das Verständnis bei den Gästen entwickelt werden, dass das hochwertige Produkte sind, damit sie bereit sind, dafür zu zahlen“, sagt Anette Niedernolte-Bertin. Sie bereut die Veränderung nicht. Niedernolte-Bertin sieht das Bildungshaus als Vorbild für die vielen anderen Einrichtungen des Erzbistums Freiburg. Und auch Weihbischof Dr. Peter Birkhofer plädiert für mehr Bio-Regio-Nahrungsmittel in den Küchen der Kirche: „Wir können nur mit der Schöpfung Zukunft gestalten und nicht an der Schöpfung vorbei“.
(nn)





