Freiburg. Gut ein Jahr vor der Errichtung der neuen Pfarreien im Rahmen des Zukunftsprojekts Kirchenentwicklung 2030 hat Erzbischof Stephan Burger zu Zuversicht und neuen Impulsen aufgerufen. Dafür wandte sich der Erzbischof in einem Schreiben anlässlich des ersten Adventsonntags (01.12.) an alle Haupt- und Ehrenamtlichen in der Erzdiözese Freiburg. Im Wortlaut schrieb der Erzbischof:
Liebe Mitbrüder,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst,
sehr geehrte Mitglieder unserer Pfarrgemeinderäte,
vor wenigen Tagen endete das Diözesanforum 2024, bei dem wir uns mit der Diözesanstrategie und deren Umsetzung befasst haben. Es waren zwei spannende Tage, die gekennzeichnet waren von einem gemeinsamen Ringen um die Frage, wie wir angesichts der Herausforderung der Zeit das Evangelium leben und die Kirche von Freiburg in die Zukunft führen können. Dankbar blicke ich auf diese Tage zurück.
Eine wesentliche Grundlage der Beratungen im Diözesanforum waren die Impulse, die sich aus den Gründungsvereinbarungen unserer neuen Pfarreien ergeben. Es ist für mich eine große Freude zu erfahren, wie intensiv sich viele Ehrenamtliche und Hauptberufliche an den Diskussionen vor Ort beteiligt und sich mit ihren Ideen eingebracht haben. Allen Unkenrufen zum Trotz zeigt sich darin, dass die Kirche in unserem Land lebendig ist und viele bereit sind, sich in ihr zu engagieren. Für mich ist dies ein ermutigendes Zeichen, das mich mit Zuversicht vorausschauen lässt.
Gewiss stehen wir vor großen Herausforderungen. Darüber dürfen wir nicht hinwegsehen. Beim Diözesanforum kam dies mehrfach zur Sprache. Die Kirche hat durch den Missbrauchsskandal viel Vertrauen verloren, das wir nur schwer wiedergewinnen können. Viele wenden sich ab, nicht wenige treten sogar aus der Kirche aus. Der Glaube an Gott hat immer weniger Relevanz für das Miteinander der Menschen in unserem Land; die Botschaft des Evangeliums kann seine Kraft nur schwer entfalten. Ich habe dies beim Diözesanforum selbst angesprochen. Generalvikar Neubrand hat aufgezeigt, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, gerade auch für die auf uns zukommende schwierige finanzielle Situation. Dem müssen wir uns stellen.
In mir ist nach wie vor der Freiburger Katholikentag 1978 im Bewusstsein, der unter dem Leitwort stand, das dem Buch des Propheten Jeremias entnommen war: „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben“ (Jer 29,11). Dieser Zuspruch Gottes gilt auch uns heute. Er kann uns Mut machen, aufzubrechen und die Hand an den Pflug zu legen (Lk 9,62). Jesus fordert uns auf, in seiner Nachfolge nicht auf die scheinbar gute alte Zeit zurückzuschauen, auf das Vertraute und Gewohnte, auf das, worin wir uns gut eingerichtet haben. Sein Ruf der Nachfolge ist eine Ermutigung, neue Wege zu gehen.
Beim Diözesanforum habe ich mich deutlich dazu bekannt, dass für mich unser Projekt Kirchenentwicklung 2030 der Weg ist, wie wir unsere Kirche in die Zukunft führen können. Für mich ist dieser Weg alternativlos. Mit der Errichtung der neuen Pfarreien und der damit gegebenen neuen Struktur in der pastoralen Arbeit und in der Verwaltung sind wichtige Grundlagen geschaffen, sachgemäß mit den zurückgehenden personellen und finanziellen Ressourcen umzugehen. Ein Meilenstein in dieser Transformation sind die Dekrete zur Errichtung der neuen Pfarreien, die in den nächsten Tagen eingesehen werden können.
Dabei dürfen wir aber nicht stehen bleiben. Es wäre zu kurz gesprungen, wenn wir nur die Strukturen verändern. Mehr noch kommt es darauf an, dass wir unsere pastorale und caritative Arbeit neu ausrichten. Auch hier gilt es, Überkommenes zu überdenken und damit die Komfortzone von Liebgewordenem zu verlassen. Das Diözesanforum hat viele Impulse gesetzt, was dies konkret bedeuten kann.
Dass dies nicht einfach von der Hand geht, ist mir sehr wohl bewusst. Auch ich kenne die Unsicherheit, mich auf etwas Neues einzulassen. Auch ich kenne die Versuchung, mich im Bekannten einzurichten. Zugleich durfte ich in meinem Leben aber auch die Erfahrung machen, dass gerade Neues entstehen kann, wenn ich mich der Führung Gottes anvertraue. Diese Erfahrung wünsche ich auch Ihnen.
Diesen Brief schreibe ich Ihnen am Vorabend des ersten Advents. Mit diesem beginnt ein neues Kirchenjahr. Dieses Jahr wird auch für unser Projekt Kirchenentwicklung 2030 ein bedeutendes sein. Nach einer langen Wegstrecke seit dem Startschuss folgt nun die letzte Etappe vor der Errichtung der neuen Pfarreien. Dies ist zwar nur ein Zwischenziel, aber doch ein markantes. Viele von Ihnen sind mit mir diesen Weg gegangen, haben sich mit ihren Ideen eingebracht und haben Großartiges geleistet. Ich weiß, wie viel Hoffnung so manche mit dem Projekt verbinden, wie viel Herzblut sie in die bisherige Entwicklung eingebracht haben. Dafür sage ich Ihnen ein herzliches Danke! Auch dies lässt mich zuversichtlich nach vorne schauen.
Liebe Mitbrüder, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst, sehr geehrte Mitglieder unserer Pfarrgemeinderäte, im neutestamentlichen Brief an Timotheus wird diesem zugesagt: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7) Diesen Vers hatte ich schon mehrfach in frühere Überlegungen einbezogen. Gerne möchte ich daran erinnern. Diesen Geist wünsche ich Ihnen für das kommende Kirchenjahr und erbitte für Sie alle Gottes Segen für all Ihren Einsatz für die Verkündigung des Evangeliums.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Erzbischof Stephan Burger


