Freiburg/Karlsruhe. Mit einem Festgottesdienst hat die Katholische Fachschule für Sozialpädagogik Karlsruhe, besser bekannt als Agneshaus, am Montag (20.1.) ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Dabei beginnt die Vorgeschichte der Einrichtung eigentlich bereits 1912, als die Schwestern vom Göttlichen Erlöser in Karlsruhe eine Ausbildungsstätte für junge Frauen gründeten. Am 2. Juni 1925 wurde das Kindergartenseminar als Privatschule mit zwölf Schülerinnen und acht Lehrern offiziell eröffnet. Die Gründung war eine zukunftsweisende Entscheidung, die auf der Erkenntnis basierte, dass gut ausgebildete Fachkräfte für die Kinderbetreuung unerlässlich sind.
„Erziehung und Bildung beinhaltet, Menschen zu befähigen, ihr Leben selbstbewusst und vor Gott und den Menschen verantwortet zu gestalten“, so Erzbischof Stephan Burger in seiner Predigt. Bildung bedeute, „den Menschen ganzheitlich mit Herz und Verstand zu befähigen, sein Leben zur Entfaltung zu bringen.“
Unschätzbarer Beitrag zur Bildung und Erziehung junger Menschen
Beim anschließenden Empfang würdigte Ordinariatsrätin Susanne Orth die Arbeit der Fachschule: „Mit der qualitativ hochwertigen Ausbildung von pädagogischen Fachkräften leisten Sie einen bedeutenden Beitrag für unsere Gesellschaft. Dieser ist auch für uns als Erzdiözese Freiburg von großer Wichtigkeit, da in unserer Erzdiözese über 1.000 katholische Kindertageseinrichtungen existieren und mehr als 14.000 Erzieherinnen und Erzieher die größte Berufsgruppe bilden.“ Die Ausbildung, so Orth weiter, gründe auf einem christlichen Welt- und Menschenbild „und an Ihrer Schule setzen Sie sich mit besonderem Engagement für die unantastbare Würde des Menschen ein. Dafür gebührt Ihnen mein aufrichtiger Respekt und mein herzlicher Dank!“
Staatssekretär Volker Schebesta MdL vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, ergänzte: "Der gesamten Schulgemeinschaft, der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern, den Schülerinnen und Schülern sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den letzten 100 Jahren dazu beigetragen haben, die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften mit voran zu treiben und den gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen, gebührt unser Dank und unsere Anerkennung. Sie alle haben einen unschätzbaren Beitrag zur Bildung und Erziehung junger Menschen geleistet, die gerade heute im Zeichen eines hohen Personalbedarfs im frühkindlichen Bereich bedeutungsvoller denn je erscheint."
Historische Meilensteine
Die Geschichte des Agneshauses ist geprägt von bedeutenden Ereignissen und Entwicklungen. Am 2. Juni 1925 wurde das Kindergartenseminar offiziell als Privatschule mit zwölf Schülerinnen und acht Lehrern eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs durchlebte die Schule schwierige Zeiten. Im September 1942 verursachte ein Luftangriff einen schweren Brand, und ab den Sommerferien 1944 musste die Schule vorübergehend geschlossen werden. Nach dem Einmarsch französischer Truppen am 4. April 1945 konnte der Lehrbetrieb am 15. Oktober 1945 wieder aufgenommen werden. Ein wichtiger Meilenstein war die staatliche Anerkennung als Ergänzungsschule im Jahr 1957.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Agneshaus stetig weiter und passte sich den sich wandelnden pädagogischen Anforderungen an. Ein bedeutender Schritt war die Übernahme der Trägerschaft durch die Erzdiözese Freiburg im Jahr 1997. Im Jahr 2012 startete die praxisintegrierte Ausbildung (PIA), die mittlerweile die dritte Generation von Erzieherinnen und Erziehern ausbildet und das Ausbildungsangebot des Agneshauses weiter bereichert.
Das Agneshaus hat sich in seiner Geschichte stets den jeweils aktuellen pädagogischen Herausforderungen gestellt und seine Ausbildung kontinuierlich weiterentwickelt. Das Ausbildungsangebot wurde so etwa um innovative Bereiche wie Erlebnispädagogik, Theaterpädagogik, Musik-, Medien- und Kunstpädagogik erweitert.
Pädagogisches Profil
Das katholische Profil der Schule zielt bis heute darauf ab, nicht nur fachlich hochwertige Ausbildung zu bieten, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen zu fördern. Die Schule versteht sich als Lebensraum, in dem Erfahrungen von Gemeinschaft, sozialem Engagement und Spiritualität ermöglicht werden. "Wir blicken dankbar und zuversichtlich auf 100 Jahre Agneshaus zurück und würdigen das anhaltende Engagement für die Ausbildung von staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern", so die Schulleitung.
Das Jubiläum wird mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert, die die reiche Geschichte und zukunftsweisende Vision des Agneshauses würdigen. So wird es am 14. Februar einen Tag der Offenen Tür geben, bei dem sich Interessierte über das breite pädagogische Angebot der Einrichtung informieren können.


