Frauen im Mentoring

24.03.2025 | Generalvikar tauscht sich mit Teilnehmerinnen des Programms aus

Freiburg. Die Erzdiözese Freiburg will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und unterstützt sie auf dem Weg dorthin. Dazu tauschte sich Generalvikar Christoph Neubrand am Dienstag (18.3.) mit Frauen aus dem Erzbistum aus. Sie alle sind Teilnehmerinnen des bundesweiten Programms „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das von der Deutschen Bischofskonferenz gezielt gefördert wird. Dabei werden die Teilnehmerinnen jeweils von einer Mentorin begleitet, die bereits eine Leitungsposition innehat. Vier Tandems nehmen aktuell seit Herbst 2024 am Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins teil.
 
Neben dem persönlichen Kennenlernen und der Begegnung gaben die Mentees einen Einblick in ihre bisherigen Erfahrungen im Mentoring-Programm. So werden die Seminare als hilfreich und ermutigend erlebt. Die Gespräche und der Austausch mit den jeweiligen Mentorinnen wurden als eine große Bereicherung und einen guten Ort beschrieben, um über unterschiedlichste Fragestellungen rund um das Thema Führung und im Besonderen der Führung als Frau ins Gespräch zu kommen. 
 
Im Hinblick auf den persönlichen Nutzen des Programmes konnten gleich drei der Mentees berichten, dass sie sich – auch ermutigt durch die Gespräche und Erfahrungen im Rahmen des Mentoringprogrammes – beruflich weiterentwickeln werden. So ist Hannah Bohnert seit Mitte Februar Leiterin des Bildungszentrums in Freiburg, Sonja Haberkorn wird ab Oktober als Pfarreiökonomin in der neuen Kirchengemeinde Lauda eingesetzt, und Cornelia Dilger wird leitende Referentin der neuen Pfarrei Ortenau/Offenburg. 
 
Hannah Bohnert bekräftigte den Mehrwert des Austauschs: „Mich überzeugt das Programm sehr. In Kontakt sein mit anderen Frauen aus dem Erzbistum als auch deutschlandweit ist ein großer Gewinn. Uns treiben ähnliche Themen um.“ Sonja Haberkorn betonte ebenfalls die Bedeutung des Mentoring-Programms für ihren Weg: „Das Auftaktseminar war stärkend und Motivation, den nächsten Karriereschritt zu gehen und mich auf die Stelle als Pfarreiökonomin zu bewerben.“ Auch Cornelia Dilger unterstrich dies: „Ich erlebe das Mentoringprogramm als eine sehr gute Begleitung für die Vorbereitung und den Übergang zu meiner neuen Tätigkeit als leitende Referentin. Es reizt mich sehr eine neue Stelle anzutreten, welche es in dieser Form noch nicht gab.“ 
 
Einig war man sich zudem, dass das Ziel mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen auch mit der Veränderung von Rahmenbedingungen und der Kultur erreicht werden kann. Als Vorschläge von Seiten der Mentees wurde die Aufnahme der Frauenförderung als Teil der Führungskräfteentwicklung genannt, die direkte Ansprache von Frauen und Ermutigung durch Vorgesetzte sowie eine Teilbarkeit von Leitungsstellen. 
 
Mentorin Dr. Susanna Re betonte: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, dass Frauen in Führung gehen. Wenn sich die Chance hierfür ergibt, gilt es sie zu nutzen!“ Marianne Gerber, ebenfalls Mentorin, ergänzte: „Frauen in Führungspositionen zu bringen ist das Eine, aber Frauen unterstützen, diesen Schritt in eine Führungsfunktion zu gehen, ist mindestens genauso wichtig. Dabei ist von großer Bedeutung, wie die Rolle einer Führungskraft gestaltet und ausgefüllt werden kann. Gerne gebe ich hierfür meine langjährigen Erfahrungen weiter.“  
 
Generalvikar Christoph Neubrand dankte für das große Engagement sowohl der Mentees als auch der vier Mentorinnen, die sich über den Zeitraum von einem Jahr regelmäßig mit einer Mentee treffen, für Fragen zur Verfügung stehen und einen Einblick in das eigene Führungshandeln geben. Er unterstrich: „Gelingende Führung lebt von unterschiedlichen Erfahrungen. Mir ist es deshalb wichtig, dass an vielen Stellen Frauen in Führungspositionen sind und damit sich selbst, ihre Führungserfahrung und ihren spezifischen Führungsstil in das Gesamt von Führen und Leiten in der Erzdiözese einbringen. Ich bin froh über jedes Kernteam und jeden Verwaltungsvorstand in den Pfarreien bzw. Kirchengemeinden, in denen Frauen Teil der Führenden sind.“

Einen geschärften Blick für strukturelle Ungleichheiten entwickeln

Das Mentoring-Programm in Kooperation mit dem Hildegardis-Verein e.V. (Bonn) beinhaltet eine berufliche, aber auch persönliche Beziehung zwischen zwei Menschen. Eine erfahrene und kompetente Person in einer höheren Leitungsposition gibt ihre Erfahrungen an eine Person weiter, die eine (höhere) Leitungsposition anstrebt, und hilft ihr, das eigene Potenzial zu entwickeln. 
 
Die Erzdiözese Freiburg finanziert insgesamt vier Plätze im Programm des Hildegardis-Vereins, um Frauen auf kirchliche Leitungsaufgaben vorzubereiten und den Anteil an qualifizierten und motivierten Bewerberinnen für Leitungsaufgaben in der Kirche zu erhöhen. Die Teilnehmerinnen bekommen Einblicke in das Feld der Leitungsverantwortung und Feedback zum eigenen Verhalten und Auftreten. Kollegiale Beratung im Mentee-Netzwerk und Erlangung von Schlüsselqualifikationen durch die Teilnahme an zentralen Seminar-Veranstaltungen ergänzen das Programm.

Geschlechtergerechtigkeit in Beruf und Gesellschaft ist zentrales Anliegen

Die Erzdiözese Freiburg investiert bewusst und gezielt in die Förderung weiblicher Nachwuchskräfte und Leitungspersonen. Bereits 2017 wurde in den diözesanen Leitlinien (2017) die Gleichrangigkeit der Geschlechter als eine zentrale Herausforderung für die Kirche beschrieben und ein geschlechterspezifisches Handeln auf allen Ebenen eingefordert. Auch deshalb hat Erzbischof Stephan Burger im Jahr 2018 die Kommission Geschlechtergerechtigkeit als bischöfliches Beratungsgremium implementiert. Dies unterstreicht den konkreten Willen, im Erzbistum aktiv Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen. In einem weiteren Schritt wurde die Gleichstellungsordnung weiterentwickelt und aktualisiert sowie die Verpflichtung zur Erstellung eines Gleichstellungplans für alle Einrichtungen eingeführt Zielsetzung und Inhalt des Gleichstellungsplans sind in § 9 der Gleichstellungsordnung definiert. Am 01.08. 2024 ist entsprechend der erste Gleichstellungsplan der Erzbischöflichen Kurie in Kraft getreten. Damit möchte die Erzdiözese Freiburg noch gezielter die Gleichstellung von Frauen und Männern in ihrem Berufsalltag, also als Beschäftigte, fördern.
 
Auch über Leitungspersonen hinaus engagiert sich die Erzdiözese für Geschlechtergerechtigkeit in Beruf und Gesellschaft. Das Referat Frauen-Männer-Gender im Erzbischöflichen Seelsorgeamt hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Schulungs- und Bildungsarbeit Menschen für das Thema Gleichberechtigung zu sensibilisieren. Die Kooperationen und Vernetzungen mit anderen Organisationen, etwa Frauengruppen und Frauenverbände in der Erzdiözese, aber auch Einrichtungen aus dem ökumenischen und weltlichen Kontext, sind hier grundlegend für die Arbeit. Das Ziel ist, diese Themen möglichst breitflächig zu platzieren und viele dafür zu sensibilisieren.
 
(cvl/kas)