Das kirchliche Internetprogramm „SESAM“ kann von jedem Computer mit Internetzugang bedient werden – selbst von zuhause aus. Doch das muss nicht sein, findet Pfarrsekretärin Klara Fall.
Kirche vor Ort im Internet
„SESAM öffne Dich!“ so lautet der nur halb ironisch gemeinte Slogan des kirchlichen Programms zur Erstellung eigener Webseiten für Pfarrgemeinden, Seelsorgeeinheiten und andere kirchliche Einrichtungen. Damit ist die Kirche vor Ort auch im „WorldWideWeb“ (kurz: www) präsent. Das Pfarrbüro oder das Seelsorgeteam kann Termine der Pfarrgemeinden, Nachrichten oder Bilder ins Internet stellen, die dann von den bekannten Suchprogrammen wie „google“ gefunden werden können.
Jeder Internetnutzer – auch wer sich gar nicht auf dem Gebiet der Pfarrei aufhält – kann so von überall her sehen, was gerade in der Pfarrgemeinde läuft. Jeder Computer mit Internetzugang, sogar jedes Smartphone eignet sich für den Aufruf der Webseiten. Das ist besonders praktisch, wenn man im Urlaub oder auf Dienstreise ist und keine Gelegenheit hat, das Pfarrblatt persönlich in der Kirche abzuholen.
Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wird dabei von der Offenburger Betreiberfirma web-commerce unumwunden zugegeben. „Gerade auf dem Land ist die Internet-Abdeckung an manchen Stellen noch lückenhaft“, weiß Projektleiter Björn Huber zu berichten, „doch daran können wir als Internetfirma wenig ausrichten. Für den Ausbau des Internet ist die Bundesnetzagentur zuständig.“
Pfarrer Cornelius Clever sieht aber vor allem die Vorteile. „Nicht nur die Gläubigen können die Nachrichten und Termine aus dem Netz abrufen, sondern auch wir im Pfarrbüro können das Internet nutzen, um diese Informationen einzustellen“, freut sich der Seelsorger. Denn man braucht für SESAM weder einen bestimmten Computer noch muss man sich im Pfarrbüro aufhalten. „Der Zugang ist definitiv von überall her möglich“, bestätigt Projektleiter Huber, „selbst von den Bahamas. Entscheidend ist allein der Internetzugang.“
„Der Nachteil ist natürlich, dass man versucht wird, von Zuhause aus zu arbeiten“, sagt Pfarrsekretärin Klara Fall. „Oft fällt mir auf dem Nachhauseweg ein, welchen Termin ich vergessen habe, einzugeben. Das mache ich dann meist zuhause vom Computer meines Sohnes –als unbezahlte Überstunde.“

„Wir wollen mithelfen, dass die Mitarbeiter der Kirchengemeinden weniger Arbeit haben statt mehr“, betont Harald Haake, Geschäftsführer von web-commerce, und stellt klar: „Die Maschinen sind für den Menschen da, nicht umgekehrt.“ Auf die Einhaltung der Arbeitszeiten habe man programmiertechnisch allerdings wenig Einfluss.
Für Gemeindereferentin Luise Lugner ist das alles halb so wild. „Wenn ich erst ins Pfarrbüro fahren müsste, um die nächsten Termine einzustellen und der Computer dort gerade besetzt ist, brauche ich deutlich mehr Zeit. Mein eigener Computer ist ohnehin schneller als der im Pfarrbüro.“ Sie nutzt ihren personalisierten Zugang nur von daheim.


